Fachwissen
Die Auswirkungen des Einsatzes eines kalten Whirlpools auf unterschiedliche motorische Hauptbeanspruchungsformen
Zusammenfassung
Tom Fox, Oktober 2009
Cryotherapie gilt innerhalb der Sportmedizin als weitgehend akzeptierte therapeutische Methode. Trotz der bisher in der Literatur beschriebenen Vorteile können negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden. Bei der Anwendung von dieser Methode konnten auf die Propriozeption bzw. Sensorik bisher keine Auswirkungen festgestellt werden. Allerdings scheint sich die Kraftfähigkeit im Anschluss an eine solche Behandlung zu verschlechtern. Es muss jedoch einschränkend hinzugefügt werden, dass diesbezüglich bisher primär Veränderungen der Kraftfähigkeit im Hinblick auf die isometrische Kraft untersucht wurden. Aufgrund der Tatsache, dass Cryotherapie in der Sportmedizin vor und während Training und Wettkampf angewendet wird erscheint ein besseres Verständnis in Bezug auf diese Methode sinnvoll. Besonders das „cold-whirlpool“ erfreut sich aufgrund der großen Anwendungsfläche sowie seiner schmerzlindernden Wirkung zunehmender Popularität.
Das Ziel der Studie bestand darin, die Effekte einer Kälteanwendung auf unterschiedliche Parameter der körperlichen Leistungsfähigkeit zu ermitteln. Dazu wurden 21 freiwillige, gesunde Personen rekrutiert. Kältebezogene Kontraindikationen wie Verletzungen der unteren Extremitäten innerhalb der letzten 6 Monate, Kälteallergie sowie Raynaud Syndrom wurden ausgeschlossen. Die Probanden wurden verschiedenen Tests unterzogen, worunter sich u.a. auch counter movement jumps sowie Kurzsprinttests befanden.
Die Ergebnisse zeigten dass sich ein 20 minütiges „cold-whirlpool-treatment“ bei 10° C an der unteren Extremität unmittelbar negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. Die Werte hinsichtlich Counter movement jumps, Maximalkraft sowie die durchschnittliche Kraft waren für einen gewissen Zeitraum eingeschränkt und erreichten während der Untersuchungen zum Teil auch nicht mehr den Ausgangswert.
Cryotherapie kann sich somit negativ auf die maximale Leistungsfähigkeit bei Athleten auswirken. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eingeschränkte Kraftfähigkeit für mindestens 32 Minuten nach cryotherapeutischer Behandlung sowie eine Normalisierung der Schnelligkeit und Beweglichkeit nach 27 bzw. 12 Minuten. Unklar ist jedoch weiterhin wie sich die Behandlung bei höchsten Intensitäten auswirkt. Die beschriebenen Effekte sind vor allem nach Durchsicht der bisher erschienenen Literatur selbstverständlich abhängig von der Lokalisation der kühlenden Anwendung sowie der gewählten Temperatur. Dennoch sollten diese Ergebnisse nicht unterbewertet werden; Therapeuten sollten sich den Konsequenzen, welche hinsichtlich intensiver körperlicher Belastung im Anschluss an Behandlungen wie das hier durchgeführte „cold-whirlpool-treatment“ entstehen bewusst sein.
Quelle: Patterson, S. et al: The effects of cold whirlpool on power, speed, agility, and range of motion Journal of Sports Science and Medicine (2008) 7, 387-394
veröffentlicht am 26.10.2009 um 11:15 Uhr
Laktat– mehr als nur ein Stoffwechselzwischenprodukt?
Zusammenfassung
Tom Fox 2009, Juni 2009
Laktat galt lange als peripher synthetisiertes Zwischenprodukt aus dem anaeroben Energiestoffwechsel über Glucose. In den letzten Jahren ist dieser Substanz mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden. Laktat wird nicht ausschließlich in der Peripherie gebildet bzw. metabolisiert. Die zentrale Energieversorgung läuft in Belastungssituationen, in welchen die Muskulatur einen grossen Teil der in Ruhe eigentlich dem Gehirn zur Verfügung stehenden energetischen Ressourcen benötigt ebenfalls über die Aufnahme von Laktat an der Blut-Hirn-Schranke. Über die Funktion als Energiequelle hinaus hat es einen wichtigen Stellenwert als Signalmolekül. Es wird sowohl im Rahmen der glykolytischen Metabolismen als auch in der Funktion als Substrat für die oxidative Phosphorylierung im Mitochondrium in den Stoffwechsel eingebracht. Gleichzeitig dient Laktat als Vorläufer glukoneogenetischer Prozesse. Und letztlich hat man festgestellt, dass Laktat in seiner Funktion als Signalmolekül Einfluss auf die Genexpression bestimmter Monocarboxylattransporter (MCT) ausübt. Durch den Anstieg der Laktatkonzentration und dem erhöhten Sauerstoffverbrauch werden sogenannte reactive Oxygen species (ROS) aktiviert welche wiederum über Genexpression die Produktion bestimmter Proteine anregen, die als Bestandteile der MCT gelten. Somit hat Laktat nicht nur Einfluss auf die Energieversorgung unter Belastung sondern ebenfalls eine entscheidende Wirkung auf strukturelle Veränderungen und zelluläre Anpassungen während körperlicher Belastungen.
Literatur:
Brooks, G. et al: Lactate as a metabolic signal of gene expression Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2008, 59, 12, 280-286
Peters, A. et al: Causes of obesity: looking beyond the hypothalamus. Prog Neurobiol. 2007 Feb;81(2):61-88
veröffentlicht am 13.08.2009 um 14:06 Uhr
Die Regeneration nach einer Belastung im Rennrad-Zeitfahren verbessert sich durch Gabe eines Supplements aus Protein und Kohlenhydraten
Zusammenfassung
An der Universität in Western Ontario konnte festgestellt werden, dass die Gabe von Supplementen, die aus einer Mischung mit Proteinen und Kohlenhydraten bestehen die Regeneration im Vergleich mit Supplementen ausschließlich bestehend aus Kohlenhydraten signifikant verbessert. 15 trainierte Radrennfahrer wurden dazu einem Zeitfahren unterzogen. Dazu mussten sie auf Ergometern 60 min lang mit dem Ziel möglichst viele Kilometer zu erreichen fahren. 10, 60 sowie 120 min im Anschluss wurde ein Supplement mit entweder Protein und Kohlenhydraten (Untersuchungsgruppe - 7 Personen) oder ausschließlich Kohlenhydraten (Kontrollgruppe - 8 Personen) verabreicht. 4 Stunden später nahmen alle Teilnehmer eine standardisierte Mahlzeit ein. Nach weiteren 2 Stunden wurde das Zeitfahren wiederholt.
Insgesamt haben sich in der zweiten Belastungseinheit die Leistungen in beiden Gruppen verschlechtert. Die Ergebnisse in der Kontrollgruppe waren allerdings signifikant schlechter als in der Untersuchungsgruppe. Die durchschnittliche Kilometerleistung in der zweiten Belastungseinheit war in dieser Gruppe ca. 1 km weniger. Die durchschnittliche Leistung reduzierte sich dort um ca. 16 Watt. Die Untersuchungsgruppe verschlechterte sich in der zweite Belastungseinheit hinsichtlich der Kilometerleistung um ca. 0,3 km und in Bezug auf die Leistung um ca. 4 Watt. Zusätzlich zeigten sich bei der Untersuchungsgruppe bessere Werte hinsichtlich des Fettstoffwechsels sowie niedrigere Laktatwerte.
Das Ergebnis zeigt, dass die Gabe von kombinierten Protein-Kohlenhydratsupplementen im Vergleich mit Kohlenhydratsupplementen Rahmen von Ausdauerbelastungen die Regeneration verbessern kann, den Fettstoffwechsel optimiert sowie die Leistung bei einer wiederholten Belastung relativ steigert.
Quelle: Berardi, J. et al: Recovery from a cycling time trial is enhanced with carbohydrate-protein supplementation vs. isoenergetic carbohydrate supplementation Journal of the International Society of Sports Nutrition 2008, 5:24
Link zur Studie: http://www.jissn.com/articles/browse.asp?date=12-2008
veröffentlicht am 22.06.2009 um 13:23 Uhr
Die Supplementierung mit Kreatin verbessert die Regeneration nach exzentrischer Kraftbelastung bei gesunden Personen
Zusammenfassung
In einer Studie der Universität Melbourne konnte gezeigt werden, dass die Gabe von Kreatin die Regeneration nach Krafttraining entscheidend verbessert. In der Studie wurde die Kraftfähigkeit bei Gabe eines Kreatinsupplements getestet. 14 männliche, untrainierte Probanden mit einem durchschnittlichen Alter von 22 Jahren führten ein exzentrisches Krafttraining mit 5 Serien à 10 Wiederholungen mit Serienpausen von 3 min bei 120% der konzentrischen Maximalkraft auf Beinpresse, Beinstrecker sowie Beinbeuger durch. 5 Tage vor sowie 14 Tage im Anschluss an die Krafttrainingseinheit wurde das Kreatinsupplement (bzw. Placebo) täglich in einer Mischung mit Kohlenhydraten in folgenden Dosierung verabreicht:
5 Tage vor Krafttrainingseinheit: 300 mg / kg Körpergewicht / Tag
14 Tage nach Krafttrainingseinheit: 100 mg / kg Körpergewicht / Tag
Die randomisiert ausgewählte Kontrollgruppe (50% der Probanden) erhielt zu denselben Zeitpunkten ein Kohlenhydratsupplement. Zusätzliche sportliche Aktivitäten fanden im Untersuchungszeitraum nicht statt.
Die Regenerationsfähigkeit wurde anhand diverser Blutparameter zuzüglich einer isokinetischen sowie isometrischen Krafttestung erstmalig 24 Stunden nach Krafttraining und im Anschluss 6 weitere Male im 14-tägigen Anschlusszeitraum ermittelt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Personen, welche das Kreatinsupplement eingenommen hatten im Vergleich mit der Kontrollgruppe bessere Kraftleistungen sowohl isokinetisch (10%) als auch isometrisch (21%) vollziehen konnten. Die Kreatinkinase-Plasmawerte der Kontrollgruppe waren 4-5 Tage nach der Krafttrainingseinheit bis zu 5 mal so hoch wie bei der Untersuchungsgruppe.
Die Ergebnisse konnten zeigen, dass die Gabe von Kreatin im Zusammenhang mit intensiven Krafttrainingsbelastung bei Untrainierten die Regenerationsfähigkeit signifikant verbessern kann.
Quelle: Cooke, M. et al: Creatine supplementation enhances muscle force recovery after eccentrically-induced muscle damage in healthy individuals Journal of the International Society of Sports Nutrition 2009, 6:13
Link zur Studie: http://www.jissn.com/
veröffentlicht am 22.06.2009 um 13:15 Uhr
Effekte eines kurzfristigen plyometrischen- sowie Krafttrainingsprogramms auf die körperliche Fitness bei männlichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren
Faigenbaum, A., McFarland, J., Keiper, F., Tevlin, W., Ratamess, N., Kang, J. und Hoffman, J.
Abstract
Ziel der Studie war der Vergleich der Effekte einer 6-wöchigen Trainingsperiode kombinierten plyometrischen Trainings plus Krafttraining (PRT, n = 13) sowie ausschliesslichem Krafttraining (RT, n = 14) auf die körperliche Fitness bei männlichen Jugendlichen (12-15 yr). Die RT Gruppe führte statische Dehnübungen mit anschliessendem Krafttraining durch während die PRT Gruppe plyometrische Übungen mit demselben angeschlossenen Krafttraining vollzog. Die Trainingsdauer pro Einheit lag für beider Gruppen bei 90 min. Vor sowie nach Training wurden alle Probanden in Hochsprung, Weitsprung, Medizinballwurf, 9,1 m Sprint, „pro-agility-shuttle-run“ (Pendellauf) sowie Dehnfähigkeit getestet. Die PRT Gruppe zeigte nach Training signifikant (p < 0.05) grössere Verbesserungen als die RT Gruppe im Weitsprung (10.8 cm vs. 2.2 cm), Medizinballwurf (39.1 cm vs. 17.7 cm) sowie „pro-agility-shuttle-run“ (-0.23 sec vs. -0.02 sec). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass zusätzliches plyometrisches Training im Krafttrainingsprogramm grössere Vorteile bringt als Krafttraining und statisches Dehnen bezüglich ausgewählter Kraftbereiche in der oberen und unteren Extremität bei männlichen Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren.
Keywords: Adolescent, strength training, power, stretch-shortening cycle.
Quelle: © Journal of Sports Science and Medicine (2007) 6, 519- 525
veröffentlicht am 09.04.2009 um 12:16 Uhr
Aktuelle Konzepte zur Diagnose und Therapie der vorderen Kreuzbandruptur
Schmidt-Wiethoff, R., Dargel, J.
Zusammenfassung
Die Versorgung mit Transplantaten stellt eine immer wiederkehrende Fragestellung in der Behandlung von LCA-Rupturen dar. Weder Patellarsehnen- noch Hamstringssehnentransplantate haben in den letzten Jahren gegenüber dem jeweils konkurrierenden Verfahren eindeutige, nachhaltige Vorteile gezeigt. Eine vergleichende Metaanalyse von Freedman et al. konnte zeigen, dass die Patellarsehnenplastik der stabilere, mit weniger Transplantatproblemen behaftete Bandersatz ist. Allerdings zeigt sich bei durchschnittlich 17% der Patienten der vordere Knieschmerz als Folge der Transplantatentnahme - ein wesentlicher Nachteil gegenüber der Verwendung von Hamstringssehnen. Eine ähnlich Überlegenheit hinsichtlich der Stabilität konnte anhand von Testverfahren in einer Metaanalyse mit 11 randomisierten bzw. prospektiven Studien mit einem mittleren Nachuntersuchungszeitraum von 2 Jahren gezeigt werden (Lachman-Test, Pivot-shift-Phänomen und resultierendes Beugedefizit). Das Hamstringssehnentransplantat hingegen zeigte sich als vorteilhaft hinsichtlich Parametern wie patellofemoraler Krepitation, Streckdefizit und vorderem Knieschmerz. Bezüglich der subjektiven Parameter zeigen sich hier bis zu 95% der Patienten hoch zufrieden.
Quelle: DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 58, Nr. 11 (2007)
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veröffentlicht am 15.01.2009 um 17:19 Uhr
Neue Herzfrequenzformel von Hottenrott
Ausgehend von der Tatsache, dass zwischen Frauen und Männern eine ganze Reihe von physiologischen und morphologischen Unterschieden bestehen, schlägt Hottenrott (2007) eine neue Herzfrequenzformel vor. Diese Herzfrequenzformel soll Unterschiede zwischen Frauen und Männern, in der Leistungsfähigkeit, im Trainingsziel und in der Sportart berücksichtigen. Keine der bisher bekannten Formeln (American college of sports medicine, Karvonen, Hollmann u. Hettinger, IPN etc) berücksichtigt diese Unterschiede. Uns selber fällt in den Lehrgängen zum Sportphysiotherapeuten und der dort stattfindenden Laktatdiagnostik immer wieder auf, wie hoch die Herzfrequenz bei 2,3 oder 4 mmol Laktat/L Blut von Frauen oft ist (insbesondere im Vergleich zu den HF-Werten der Männer).
Als Ursache für die höhere Herzfrequenz von Frauen können mehrer Einflußgrößen vermutet werden: kleinere Muskelmasse, geringere anthropometrische Maße, verminderte Sauerstofftransportkapazität, geringeres Blutvolumen, geringere Testosteronproduktion, kleineres Herz mit geringerem Schlagvolumen und höherer HF unter Ruhe und bei submaximalen Belastungen.
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veröffentlicht am 15.01.2009 um 16:35 Uhr
