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Simon Roth

Dieses Interview soll Einblicke in die Bereiche eines Sportphysiotherapeuten geben, der den Sprung in den Leistungssport geschafft hat.

spt-education: Wer bist du und wo bist du als Physio/Sportphysio unterwegs?

Simon: Mein Name ist Simon Roth. Ich arbeite seit 2010 als Physiotherapeut und habe mich seitdem auf die Arbeit mit der Elektromyografie (EMG) spezialisiert. Seit 2017 betreue ich mit MYOact diverse Leistungssportler, vorrangig Fußballer aus der Bundesliga, der Premier League, aber auch Einzelsportathleten und Olympioniken. Einen besonderen Austausch halte ich mit den Bundesliga Vereinen Mainz 05, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Der offene und herzliche Kontakt mit diesen Vereinen ist jedes Mal ein großer Gewinn.
Zusätzlich pflege ich In meiner eigenen Praxis einen engen interdisziplinären Austausch mit anderen Fachkollegen. Hierbei hilft es mir als wissenschaftlicher Beirat der Sportärztezeitung Kontakte in den einzelnen Leistungssportbereichen aufzubauen und auszuweiten. 

spt-education: Wie kamst du auf die Idee Physiotherapeut/Sportphysiotherapeut zu werden?

Simon: Die Arbeit mit Leistungssportlern hat mich schon sehr früh fasziniert. In der Regel sind hier die Compliance und Anforderungen sehr hoch, und man arbeitet mit den Fachärzten, Physiotherapeuten und Athletiktrainern der Teams auf Augenhöhe in einem interdisziplinären Team. Durch meine Erfahrung mit dem EMG in der klinischen Anwendung und nach mehreren Tausend Einzelmessungen wurden schnell auch Bundesliga Vereine und deren medizinischen Abteilungen auf mich und meinen Diagnose- und Therapieansatz aufmerksam. Da lag es natürlich nah, dass ich mich auch dementsprechend im Sportbereich weiterbilde und auf dieses sehr anspruchsvolle Klientel spezialisiere. Des Weiteren habe ich das Glück in einem sehr professionellen Netzwerk von Sportmedizinern und Athletiktrainern zu sein. Ein ständiger Austausch in dieser Gruppe garantiert, in einer sich sehr rasant weiterentwickelnden Branche, stets up to date zu sein.

spt-education: Was war für dich der Auslöser für deinen beruflichen Aufstieg?

Simon: Ich denke ich kann ganz klar sagen, dass meine Arbeit mit der Elektromyografie ausschlaggebend war. Durch die Spezialisierung auf diesem Gebiet habe ich mir auch überregional schnell ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. In der therapeutischen Implementierung ist diese Art der Physiotherapie weltweit leider noch sehr selten anzutreffen. Ich hoffe, dass wir mithilfe von Diagnose- und Therapie-Programmen wie MYOact in der Zukunft noch deutlich mehr Patienten und Anwender erreichen werden.

spt-education: Welche Aufgaben übernimmst du am liebsten?

Simon: Heute darf ich mich glücklich schätzen u.a. Fußballer aus der 1. Bundesliga und Premier League beim Return to Play Prozedere zu unterstützen. Auf der Basis der EMG Diagnostik ermittele ich individuelle Übungen, um das neuromuskuläre System wieder physiologisch einzuordnen.
Auch Spieler und Athleten, die therapieresistente Rezidive aufweisen finden oft Ihren Weg in meine Praxis. Ich denke, dass diese Art der Arbeit die größte Herausforderung darstellt und zugleich am meisten Spaß macht.
Meine Vision ist daher die Elektromyografie langfristig und flächendeckend in allen Bereichen des Leistungs- und Profisports in der Prophylaxe und in der ganzheitlichen Behandlung zu implementieren. Um die Akzeptanz und die Verbreitung weiter zu untermauern, arbeiten wir auch bereits an neuen wissenschaftlichen Studien in Zusammenarbeit mit diversen Hochschulen und Universitäten.

spt-education: Wie sieht dein Blick in die Zukunft aus? Was möchtest du unbedingt noch erleben?

Simon: 2018 habe ich meinen Traum einer eigenen Privatpraxis verwirklicht. Das interdisziplinäre Netzwerk, auf welches ich für meine Patienten zurückgreifen kann wächst stetig. Neben der Arbeit mit Profisportlern und Athleten ist mir die Umsetzung der MYOact Diagnose- und Therapieansätze im Bereich der allgemeinen physiotherapeutischen Behandlung von Patienten ein großes Anliegen. Ich freue mich sehr diesen therapeutischen Ansatz auch in diesem Bereich ständig weiterentwickeln zu können.
Zusätzlich wird in naher Zukunft ein umfassendes Schulungsprogramm für Therapeuten zugänglich sein, welches die Arbeit sowohl im Profisportbereich als auch für die Behandlung physiotherapeutischer Patienten mit dem EMG vermittelt (sowohl in der Diagnostik als auch in der Biofeedback Trainings – und Therapiesteuerung). Eine Kombination im Bereich der Sonographie zur optimalen Verlaufskontrolle von Muskelverletzung ist darüber hinaus auch geplant.
Ich bin überzeugt davon, dass das EMG als Biofeedbackgerät, Analyse- und Befundtool für therapeutische Intervention seinen Weg in die Praxen findet. Meiner Meinung nach ist nach heutigem technologischen Standard eine optimal zielgerichtete Muskelansteuerung ohne EMG schwer möglich. Somit bleibt auch jede Übungsvermittlung ohne EMG ein reiner Blindflug. Durch die Visualisierung der neuromuskulären Aktivitäten wird uns ein aufschlussreicher Blick auf das muskuläre System ermöglicht welches uns mit konventionellen Diagnosemethoden bisher wenn überhaupt nur verschleiert möglich war. Es gibt noch viel zu entdecken und ich kann nur jeden dazu ermutigen diesen spannenden Blick zu riskieren!

spt-education: Wir danken dir Simon für die Beantwortung unserer Fragen und wünschen dir für deine Zukunft alles Gute!