Der Weg in die Sportphysiotherapie ist selten geradlinig. Unsere Teilnehmerin Maria zeigt, wie vielfältig er aussehen kann. Mit 25 Jahren arbeitet sie im orthopädischen Praxisalltag, betreut leistungsorientierte Teams und ist international im Einsatz. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg, prägenden Momenten und der Bedeutung der Sportphysiotherapie für ihre berufliche Entwicklung.
spt-education: Liebe Maria, stell dich doch kurz vor. Wo stehst du aktuell beruflich?
Maria: Ich bin 25 Jahre alt, auf beiden Ohren schwerhörig und arbeite aktuell in einer orthopädischen Praxis. Parallel dazu bin ich sportphysiotherapeutisch aktiv. Ich betreue eine Handballmannschaft in der 3. Bundesliga, begleite die Landesauswahlen des Handballverbandes Schleswig-Holstein bei Sichtungsturnieren und arbeite mit einem gehörlosen Tennis-Nationalteam auf internationalen Turnieren.
spt-education: Dein Bezug zum Handball begann sehr früh. Wie kam es dazu?
Maria: Ich bin in der Handballhalle groß geworden. Handball war immer Teil meines Umfelds, im Jugendbereich habe ich selbst gespielt. Gleichzeitig bin ich durch meine Schwerhörigkeit früh auf Barrieren gestoßen. Trotzdem war für mich klar, dass ich Teil dieses Sports bleiben möchte. Mit etwa acht Jahren habe ich zu meiner Mutter gesagt: „Da drüben auf der Bank möchte ich als Physiotherapeutin sitzen.“ Dieser Gedanke hat mich bis heute begleitet.
„Barrieren haben mich nicht aufgehalten, sondern haben mir meinen Weg gezeigt“
spt-education: Gab es einen Moment in deiner Laufbahn, der dich besonders geprägt hat?
Maria: Ja, definitiv die Deaflympics 2025 in Tokio. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Mein Team dabei zu unterstützen, Silber- und Bronzemedaillen zu gewinnen, war emotional sehr intensiv. Diese Erfahrung, Teil eines internationalen sportlichen Erfolgs zu sein, werde ich nicht vergessen.
spt-education: Du arbeitest viel mit gehörlosen Sportlerinnen und Sportlern. Wie kam es dazu?
Maria: Ein sehr prägender Moment war mein erstes internationales Turnier mit dem gehörlosen Team. Das war 2023 bei der Weltmeisterschaft auf Kreta. Dort bin ich zum ersten Mal intensiver mit Gebärdensprache in Berührung gekommen. Anfangs war das ungewohnt, aber sehr schnell habe ich gemerkt, wie viel mir diese Form der Kommunikation gibt. Inzwischen ist Gebärdensprache ein fester Bestandteil meines Alltags bei Lehrgängen und Wettkämpfen.
spt-education: Welche Rolle hat die Weiterbildung Sportphysiotherapie bei spt-education für dich gespielt?
Maria: Die Fortbildung hat mein Wissen in der Sportlerbetreuung deutlich ergänzt. Viele Inhalte nutze ich heute ganz selbstverständlich in meinem Alltag, sowohl im Praxisbetrieb als auch bei der Betreuung im Sport. Die Sportphysiotherapie ist mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Arbeit geworden.
„Fachliche Sicherheit ist im Leistungssport entscheidend“
spt-education: Wo soll deine berufliche Reise in den nächsten Jahren hingehen?
Maria: Ich wünsche mir eine Zukunft im leistungsorientierten Handball, idealerweise in der 1. oder 2. Bundesliga. Außerdem möchte ich weiterhin internationale Turniere mit dem gehörlosen Sportverband begleiten. Mein Ziel ist es, mich fachlich kontinuierlich weiterzuentwickeln und dort zu arbeiten, wo Verantwortung und Leistung gefragt sind.
Mit ihrem Weg zeigt Maria, dass Sportphysiotherapie viele Facetten haben kann. Praxisalltag, Leistungssport, internationale Wettkämpfe und inklusive Strukturen schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich fachlich weiterzuentwickeln, findet im Sport zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Weg zu gestalten.




